Bedingt durch die geographische Nähe zur Ditib-Moschee und dem Glauben unserer muslimischen Schüler*innen waren die Lehrplanthemen "Andere Religionen kennenlernen" im evangelischen und katholischen Religionsunterricht immer schon besonders wichtig.

In diesem Zusammenhang wurden auch immer wieder Synagogen, Kirchen und Moscheen besucht.

Zum 50. Geburtstag als UNESCO-Schule entstand der Wunsch, ein Zeichen des Friedens in die Stadt Heiligenhaus hineinzutragen. Wir lernten die Künstler Carmen Dietrich und Gregor Mertens kennen, die den Engel der Kulturen entwickelt haben. Dieses Symbol besteht aus einem Kreis, aus dem die Kennzeichen der drei großen monotheistischen Religionen herausgeschnitten sind - Halbmond, Davidsstern und Kreuz - und so entsteht ein Engel - der in allen drei Religion als Gottesbote für Frieden und Versöhnung steht.

Daher nahmen wir Kontakt zu verschiedenen Kirchen, Moscheen und Einrichtungen der Stadt auf. Überall trafen wir auf große Zustimmung und so konnte im April 2015 nach einem Friedensgang eine Bodenintarsie dieses Symbols auf dem Rathausplatz unmittelbar vor dem Haupteingang vom Rathaus durch die Künstler unter Beteiligung der Schüler*innen erstellt und verlegt werden.

Inspiriert durch den Religionsdialog äußerten die muslimischen Eltern den Wunsch, dass die Schule auch islamischen Religionsunterricht anbietet. Bei einer Umfrage formulierten 60 Eltern dieses Anliegen und das Schulministerium stellte hierfür unmittelbar eine Stelle im Rahmen des Schulversuchs "Islamkunde in deutscher Sprache" zur Verfügung. Es war zunächst schwierig, eine geeignete Lehrkraft zu finden. Bei dem Vorstellungsgespräch von Frau Kalyon war sich die Kommission einig, dass hier eine geeignete und motivierte Lehrkraft in das Lehrerteam der Realschule passt.  

So können wir seit dem Frühjahr 2017 wir für fast alle unserer Schülerinnen und Schüler werteorientierten Religionsunterricht anbieten. Die Vertreter der drei Religionen arbeiten seither in einer Fachschaft zusammen.

Im gleichen Jahr wurde in der Schule ein muslimisches Fastenbrechen unter Beteiligung christlicher Schüler*innen und Lehrer*innen gefeiert.

Gleichzeitig regten sich die ersten kritischen Stimmen und warnten vor einer "Islamisierung" der Schule.

Daher gründete sich in der Folge der "Gesprächskreis Interreligiöser Dialog". Hier treffen sich alle zwei bis drei Monate zwischen fünf und 15 Vertreter*innen verschiedener Kirchen, Religionen und städtischer Einrichtungen. Es wird über religiöse und aktuelle Themen ausgetauscht. Aus diesem Gremium heraus entstand der Wunsch, sich bei der "Engel-der-Kulturen-Stiftung" für besondere interkulturelle und interreligiöse Arbeit zertifizieren zu lassen. Lehrerkonferenz und Schulkonferenz stimmten dem zu und die Freude war groß, als unsere Bewerbung erfolgreich war. So kam es 2018 zu einem erneuten Friedensgang "Gemeinsam für Frieden und Toleranz" mit anschließender feierlichen Verleihung einer Plakette und einer Urkunde, die seither im Eingangsbereich der Realschule ihren Platz gefunden haben. 

Schon bei den Stationen zum Friedensgang kam es zu erregten Diskussionen an der evangelischen Kirche. Anschließend ging ein Rauschen durch die Heiligenhauser Zeitungslandschaft, es gab Stimmen, die diese Arbeit als "naiv" bezeichneten. 

In der Realschule haben wir uns über diese Anstöße gefreut und sehen uns hier in der Mitte der Gesellschaft.  Es ist uns bewusst, dass das Zusammenleben von Muslimen und Christen nicht immer spannungsfrei verläuft - umso mehr möchten wir uns dafür einsetzen, Zeichen der Versöhnung, der Toleranz und des gegenseitigen Respekts zu setzen.