Auch in diesem Jahr ist es uns gelungen das Theaterprojekt „Bühnengold“ an unsere Realschule zu holen, das dafür bekannt ist, durch intelligente Unterhaltung junge Menschen zu kritischen, geistig wachen Menschen zu formen, die sich Ihrer Stimme und Rolle in der Gesellschaft bewusst werden. Die Stücke haben alle einen präventiven Charakter zu verschiedenen gesellschaftlichen Problemthemen.

In diesem Jahr sahen die 7/8er Jahrgänge das Stück „love #metoo“ mit dem Themenschwerpunkt: Die erste große Liebe und Sexualität und die 9/10er Jahrgänge beschäftigten sich durch das Stück „(no) welcome“ mit den Themenbereichen: Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremis, Terrorismus.

Die Stücke dauerten eine Stunde und die Schüler folgten dem Schauspiel sehr aufmerksam. Das Interesse und die Brisanz der Themen in der Alltagswelt der Jugendlichen zeigte sich auch in den Nachbesprechungen mit den Schauspielern, die für eine halbe Stunde angesetzt waren.

Inhalt des Stückes „love #metoo“

Das erste Mal haben sie sich auf dem Schulhof gesehen: Marie und Sascha. 

Sie 14, er 15 Jahre alt. Bis sich einer der beiden getraut hat, ein Gespräch anzufangen, sind schon ein paar Tage vergangen, aber jetzt sind sie unzertrennlich. Endlosen Gesprächen im Netz, folgten Kino und zusammen abhängen. Das Herz schlägt bis zum Hals, wenn das Handy piept und geküsst haben sie sich auch noch nicht. In Maries Phantasie spielt alles verrückt. Was ist, wenn ich schlecht küsse oder lachen muss oder es nicht schön finde oder er schlecht küsst? Dabei hilft auch ihr Vater nicht, wenn er sein kleines Mädchen mit einem Schulterklopfen auf ihren Typen anspricht…Sascha hat indes andere Sorgen. Wenn er an Marie denkt, sieht man es ihm im wahrsten Sinne des Wortes an. 

Dann endlich: Es kommt zum Kuss und es war schön, aber auf einmal steht das Thema Sex im Raum. Wie und wo? Wie geht das denn überhaupt? Wie macht man(n) es gut? Die Freunde können genauso wenig helfen wie die peinlichen Aufklärungsbücher aus der Schule. Die ganze Welt  redet auf einmal nur noch von Sex und Verhütung und Techniken und Höhepunkten und und und… 

Nur Marie und Sascha reden nicht. Sie sehen sich an, küssen sich und auf einmal wird alles ganz still in Maries Kinderzimmer. Ich liebe Dich! - Für immer? - Für immer!

Marie und Sascha haben es getan. Nicht ohne Nachzudenken, nicht ohne Angst, aber ohne Reue.

Sind wir jetzt irgendwie anders? Ist das jetzt erwachsen? Willst du es auch nochmal machen? 

Heute sind Marie und Sascha über 10 Jahre älter und können über alles lachen. Aber hat das Versprechen von damals, sich ewig zu lieben, gehalten? Beide haben eine Einladung zum Klassentreffen erhalten, doch ging diese an die gleiche Adresse?   

Ernste Gespräche, wichtige Infos, rosa Brille, rote Köpfe und danach ein etwas weniger angespanntes Publikum, das sich auf die Zukunft freut.

 

Inhalt des Stückes „(no) welcome“:

Die Geschwister Melanie & Lukas besuchen gemeinsam die 8. Klasse des Gymnasiums.

Melanie, künstlerisch interessiert, politisch desinteressiert, erhält die Hausaufgabe, die Marksteine der Deutschen im 20.Jahrhundert zu beleuchten.

Ihr Bruder, der seine Zeit am Liebesten auf dem Sportplatz und am PC verbringt, findet die Aufgabe eher lustig als blöd. „Deutsch!“ imitiert er einen bekannten Seitenscheitelträger und lacht sich kaputt während er sich einen Islam-Clip auf dem Handy ansieht.

Beide beginnen mit gemischten Gefühlen die Recherche im Netz. Was ist deutsch…?

Während die Bevölkerung gerade heftig über Rechte und Pflichten eines Landes diskutiert, ist die Frage schwierig und vielleicht auch vorsichtig zu beantworten. Lukas gehört auch zu denen, die mitreden wollen, vor allem seit er neulich auf der Straße von nem Islamtypen den Koran in die Hand gedrückt bekommen hat. 

„Papa sagt immer, man müsste auf die Straße gehen. - Und dann?“ fragt sich Melanie.

„Sind wir jetzt dafür oder dagegen, also gegen die Ausländer?“

„Ist doch klar, du dumme Nuss!“

Für Melanie nicht so richtig, denn eigentlich weiß sie nichts von Geschichte und der Stimmung auf der Welt. 

In einer Art Zeitstrahl befindlich, angefangen bei der Machtergreifung durch Hitler,  über Studentenbewegungen in der Nachkriegszeit, die Neonaziszene und türkische Gastarbeiter, strittige Wiedervereinigung, die NSU-Prozesse, den erschütternden 11.September, Spionage, Flüchtlinge, Mohammed-Karikaturen, IS-Terror bis heute zu Pegida, bilden sich Melanie, die erschrocken von der nicht abreißenden Menschenfeindlichkeit ist, und Lukas, der Wut und Verständnis für den Griff zur Waffe entwickelt, ihre Meinung, indem sie sich in die Täter und Opfer der Geschichte hineinversetzen. Aus der Recherche wird ein Meinungsaustausch, dann eine Diskussion und daraus Streit. Es knallt und am Ende ist es ganz still. 

Unvergessene Worte, Taten und Zukunftsaussichten verbildlicht und eingebunden in eine eindrucksvolle Soundkulisse, erschüttern in ihrer Offenheit und lassen verstehen, auch sich selbst.